Was sind die großen Reden unserer Zeit und was lösen sie noch heute in uns aus? Worte, die zum Widerstand aufriefen, sich für Krieg oder Frieden einsetzten, Zukunftsvisionen entwarfen oder das Ende einer Ära einläuteten… Was weiß man heute noch von diesen prägenden Reden, ihrem Inhalt, ihrer Entstehung und ihren Folgen? Was geschah davor und danach hinter den Kulissen der Weltgeschichte? Welche Menschen hörten den großen Rednern zu, wer hat sie unterstützt? Welche Botschaften haben sich bis heute erhalten? Von ¡No Pasarán! aus dem spanischen Bürgerkrieg bis zu François Hollande und Joachim Gauck in Oradour-sur-Glane im Jahr 2013 – ab 1. Juli 2017 auf arte.tv/grosse-reden

Autoren: Aurélie Luneau, Jean Bulot
Regie: Jean Bulot
Produktion: Christophe Barreyre und Olivier Hurtado, Kino

Ein trimedialer Schwerpunkt von Deutschlandfunk, France Inter und ARTE, in Zusammenarbeit mit My House of European History und AFP

„ I have a Dream “ – Martin Luther King

24. August 1963 – Washington, D.C.
Gleiche Rechte für alle

Dürfte man nur eine große Rede der Weltgeschichte auswählen, dann wäre es wohl diese. In nur einem Satz resümierte Martin Luther King seinen friedlichen Kampf für die Bürgerrechte der schwarzen US-Amerikaner, die von der weißen Mehrheitsgesellschaft diskriminiert wurden. Die historischen Worte sprach er 1963 am Ende eines Marsches nach Washington, mit dem 250 000 Menschen für Arbeit und Freiheit demonstrierten. Sie weisen den Weg zur Verwirklichung eines Traumes, erinnerten das damalige Amerika aber auch an seine Fehler, seine Versäumnisse und die Versprechen, die es nicht halten konnte. Wie entstand das legendäre „I Have a Dream“? War der Marsch nach Washington ein historischer Wendepunkt? Ist der Traum des schwarzen Predigers heute Wirklichkeit?

„ No Pasarán “ – Dolores Ibárruri

18. Juli 1936 – Madrid
Der Aufruf zum Widerstand

Der Schlachtruf „¡No Pasarán!“ findet auf Demonstrationen bis heute Verwendung. Doch was weiß man von dem Tag, an dem Dolores Ibárruri ihn zum ersten Mal an das spanische Volk richtete? Es war im Juli 1936, nach dem Militärputsch der Franquisten. Während die Putschisten in vielen Städten die Kontrolle übernahmen, setzte die Volksfront ihre letzten Hoffnungen auf eine Rede der kommunistischen Abgeordneten Dolores Ibárruri , die bei Radio Madrid zum Widerstand aufrief. Während der drei Kriegsjahre in Spanien blieben der Schlachtruf und seine Urheberin starke Symbole des republikanischen Lagers. Woher kam die Frau, die sie Pasionaria nannten? Wie wurden ihre Worte zu einem Slogan, der über Landes- und Epochengrenzen berühmt wurde und noch heute verwendet wird?

„ Let Europe arise! “ – Winston Churchill

19. September 1946 – Zürich
Der britische Beitrag zum europäischen Haus

In Brexit-Zeiten vergisst man oft, dass die Idee eines „Vereinten Europas“ von einem Briten mitentwickelt wurde: Winston Churchill skizzierte sie in einer berühmten Rede am 19. September 1946 an der Universität Zürich, wenige Wochen nach seinem Scheitern bei den britischen Unterhauswahlen. Der ehemalige Premierminister erinnerte die Europäer daran, dass sich – auch wenn die Waffen schwiegen – die Gräuel der Vergangenheit jederzeit wiederholen könnten. Was meinte Winston Churchill mit „Vereinigte Staaten von Europa“? Und welche Rolle sollte Großbritannien dabei spielen?

„ Und es ist ein altes Land…! “ – Dominique de Villepin

14. Februar 2003 – New-York
Nein zum Irak-Krieg

Im Februar 2003 spaltete der Irak den Weltsicherheitsrat der UNO in zwei Lager: Die USA und Großbritannien plädierten für einen Einmarsch in den Irak, Deutschland und Frankreich sprachen sich für weitere Verhandlungen aus. Am 14. Februar ergriff der französische Außenminister Dominique de Villepin das Wort, um sich im Namen Frankreichs und seiner Verbündeten gegen eine amerikanische Militärintervention auszusprechen. Verhindern konnte er sie nicht – und auch 14 Jahre später ist der Irak-Konflikt, genau wie es der französische Minister prophezeit hatte, noch lange nicht beigelegt.
In welchem historischen Kontext kam es 2003 zu diesem Konflikt zwischen der französischen und der amerikanischen Diplomatie? Warum ging die Rede von Dominique de Villepin in die Geschichte der Vereinten Nationen ein?

„ Stille “ – Joachim Gauck – François Hollande

4. September 2013 – Oradour-sur-Glane
Oradour-sur-Glane: Gegen die Schlächter von gestern und heute

Am 4. September 2013 kam ein deutsches Staatsoberhaupt zum ersten Mal in das Dorf Oradour-sur-Glane – fast 70 Jahre nach dem Massaker, bei dem 642 Männer, Frauen und Kinder am 10. Juni 1944 durch SS-Soldaten ermordet wurden. Bundespräsident Joachim Gauck und der französische Präsident François Hollande trafen sich an dem hochsymbolischen Ort, der in Gedenken an die Opfer im Ruinenzustand belassen wurde. Zwei Präsidenten, zwei Generationen, zwei Länder und zwei Reden im Namen der deutsch-französischen Freundschaft.
Warum war der Tag in Oradour-sur-Glane ein Symbol für die deutsch-französische Freundschaft? Was wollten die Präsidenten ihren Ländern und ganz Europa sagen?